2022 wird ein anspruchsvolles Jahr für Anleger

Ingmar Przewlocka, Fondsmanager des „Schroder ISF Global Multi-Asset Balanced“ zu den Aussichten für 2022.

2021 war unter dem Strich ein recht erfolgreiches Jahr – zumindest für die Aktienmärkte. Es gab zuletzt aber durchaus auch Bedenken bezüglich der Entwicklung der Weltwirtschaft.

Wie schätzen Sie die Lage für 2022 ein?

Przewlocka: Nach der stärksten Rallye aller Zeiten, beginnend vom Tiefpunkt im März 2020, sind viele Assetklassen schon hoch bewertet. Eine der Triebfedern war eine Kombination aus monetären und fiskalpolitischen Maßnahmen, die in einigen Ländern auf der geldpolitischen Seite nun auslaufen. Weiterhin kommt es eher zu einer relativen Betrachtung der einzelnen Assetklassen als zu einer absoluten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Aktien weiterhin die attraktivste Anlageklassen darstellen, aber ein selektives Vorgehen bezüglich regionaler und sektoraler Betrachtung entscheidend ist.

Vor allem die Energiepreise sind in den letzten Monaten stark angestiegen. Wie wird sich das Ihrer Meinung nach 2022 entwickeln?

Przewlocka: Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Energiepreise auf diesem Niveau verharren werden bzw. durchaus noch ansteigen. Dies wird Auswirkungen auf das Konsumverhalten haben und es bleibt abzuwarten, wie einzelne Staaten darauf reagieren. In Frankreich gibt es ja z.B. schon Unterstützung des Staates für Geringverdiener, um den Anstieg zu kompensieren. Es ist weiterhin zu berücksichtigen, dass insbesondere die fehlende Investition in Infrastruktur bezüglich der fossilen Energiegewinnung, der Möglichkeit einer kurzfristigen Ausweitung des Angebotes entgegenspricht.

Große Probleme gab es weltweit bei den Lieferketten – aber auch bei der Verfügbarkeit vieler Rohstoffe. Sehen wir im kommenden Jahr hier eine Entspannung der Lage?

Przewlocka: Wir gehen davon aus, dass es zu einer Entspannung kommt. Man sollte sich jedoch langfristig auf eine De-Globalisierung einrichten, so dass strukturelle Probleme bei den Lieferketten längerfristig zu erwarten sind.

Vieles, was die Zukunft an den Märkten passieren wird, hängt von den Notenbanken ab. Sowohl die FED also auch die EZB haben in den letzten Jahren sehr viel Geld in den Markt gepumpt. Einige Beobachter gehen aber davon aus, dass sich dies 2022 ändern wird.

Przewlocka: Wir sehen, dass sich einige Notenbanken in den Schwellenländern bereits in einem Zinserhöhungszyklus befinden und erwarten dies auch für die Industrienationen, wie z.B. die FED. Diese hat das Tapering schon angekündigt, was zwar ungleich einer Zinserhöhung ist, jedoch spekulieren die Märkte, dass es Mitte nächsten Jahres zu einer ersten Zinserhöhung kommt. Bei der EZB sehen wir die Tendenzen noch sehr untergeordnet, jedoch wird sie sich diesem Zyklus auch nicht längerfristig entziehen können.

Bleiben wir beim Aktienmarkt. Welche Sektoren haben 2022 die Chance, den breiten Markt zu schlagen?

Przewlocka: Wir gehen weiterhin davon aus, dass im Rahmen der Steigerungen der Renditen der Bankensektor und der Rohstoffsektor, speziell der Energiesektor (Aktien) weiterhin deutlich profitieren könnten.

Schlussfrage: Wird 2022 ein gutes Jahr für Anleger? Wo liegen – mit der Bitte um eine kurze Antwort – die Chancen, wo die Risiken?

Przewlocka: Ich denke es wird ein anspruchsvolles Jahr für Anleger. Nichtsdestotrotz wird es in jedem Fall die Möglichkeiten geben, positive Renditen zu erwirtschaften.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Przewlocka